Veröffentlicht am Di., 4. Aug. 2015 11:02 Uhr

Es war eine sehr gelungene Weiterbildung, die am 6. Juni in der Kirche zum Heilsbronnen und am 4. Juli in der Zwölf-Apostel-Kirche stattfand. Neben der Referentin Frau Lehmann und dem „Organisator“ Herrn Volz beteiligten sich 14 „Ehrenamtler“ von Offenen Kirchen aus drei Schöneberger und einer Tempelhofer Gemeinde/n. Die O. K. Gruppe der Zwölf-Apostel Gemeinde war komplett vertreten mit B. Christ, S. Grund, S. Herm, G. Schmithals und Ch. Stabernack an beiden Tagen, sowie F. Hewelt und H. Menzler an je einem Tag.

Aber zurück zur Vorgeschichte, die vor einem Jahr begann.

Mitte 2014 wurde uns die Teilnahme an einem interessanten, sehr umfangreichen Kirchenführerkurs „Kompetent in Kirchen führen“, veranstaltet von der Evangelischen Erwachsenenbildung Berlin-Brandenburg und Sachsen-Anhalt, angeboten. Insbesondere für die Zeit der Bundesgartenschau (Buga) 2015 sollten kompetente Kirchenführer bereitstehen. Da dieser Kurs viele Termine umfasste, die in Brandenburg stattfinden sollten, und zudem sehr teuer war, wünschten wir (die O. K. Gruppe in Zwölf-Apostel) uns eine ähnliche, aber kleinere Veranstaltung in der Nähe. Unsere Gruppe hat zwar viel Erfahrung mit diesem besonderen Kirchendienst, jedoch gibt eine Weiterbildung neue Impulse, um Kirche als lebendigen Erfahrungsort mit „Kopf, Herz und Hand“ besser zu erschließen

Pfarrer Bornemann gab den Hinweis, dass Herr Volz vom Kirchenkreis Schöneberg für dieses Projekt ein guter Ansprechpartner sei. Unser Wunsch traf bei ihm auf großes Interesse, ein erster Austausch über Inhalte, Umfang, Rahmen und mögliche Referenten fand bereits Ende Februar statt. Einig waren wir beide uns, dass die TN aus unterschiedlichen Schöneberger Gemeinden und möglicherweise auch aus dem Kirchenkreis Tempelhof kommen sollten. Auf diese Weise könnten Kontakte geknüpft und über den „Tellerrand“ der eigenen Gemeinde geschaut werden.

Inhalte der Weiterbildung sollten sein:

  • Rollenverständnis (Kirchenaufseher oder Aufschließdienst oder Kirchenöffner oder Kirchenführer oder Glaubenserklärer oder … ??
  • Umgang mit Besuchern (Zugang, Begrüßung, Gesprächsführung, schwierige Situationen,…)
  • Erklärung (Architektur, Geschichte, Ikonografie), theologische Inhalte,…
  • Impulse für Besucher … 

Ende April war eine Referentin gefunden - die Diplom-Religionspädagogin Frau Anja Lehmann. Die Weiterbildung konnte somit noch vor den Sommerferien beginnen. Alle 7 O. K. Mitarbeiterinnen und Mitabeiter (MA) aus Zwölf-Apostel wollten teilnehmen und unser GKR stimmte zu.

Im Mai konnte ich Frau Lehmann unsere Kirche zeigen und darüber berichten, wie wir hier die Offene Kirche gestalten. Viele Ideen für ihre Vorbereitung entstanden.

Zum ersten Termin am 6. Juni (Heilsbronn) fanden sich, neben Frau Lehmann und Herrn Volz, MA von Offenen Kirchen aus den Gemeinden „Zum Heilsbronn“, „Apostel Paulus“, „Zwölf-Apostel“ und „Mariendorf“ ein. Natürlich waren alle sehr erwartungsvoll, was hier geschehen würde.

Frau Lehmann begann sehr praktisch mit Übungen, um die Kirche „von außen“ wie „von innen“ aus neuer Perspektive wahrzunehmen, z. B. einen Kirchenraum einmal primär mit Tast-, Geruch-, Gehör-, Geschmacksinn und Raumempfinden erkunden. (Wer ist denn schon einmal mit geschlossenen Augen durch die Zwölf-Apostel geführt worden und hat den Raum und seine Symbole mit den verbliebenen Sinnen erforscht? ) Die Kolleginnen vom Heilsbronn waren aufmerksame „Blindenführerinnen“. Erstaunlich, was es auf diese Weise zu entdecken gab und wie umfangreich sich tatsächlich die Theologie (oder Liturgie) im Kirchenraum abbildet.

„Kirchen sind erfüllt von Spuren des Glaubenslebens, das in ihnen stattfindet. Doch sie erschließen sich nicht von selbst. Und da die Menschen die Glaubensvorstellungen und ihre Rituale oft nicht mehr kennen, gilt es, die Begegnung mit der Kirche so zu gestalten und zu inszenieren, dass eine Beziehung entstehen kann – zum Raum, zu seinen Symbolen und Zeichen zu seiner Orientierung“. (vgl. Kirchenpädagogig Oldenburg)

Hierzu konnte uns Frau Lehmann aufgrund ihrer Erfahrungen als Religionspädagogin in einem Ostberliner Bezirk viele Beispiele geben.

Unter der Überschrift: „Kirche als steingewordene Theologie“ beschäftigten wir uns mit unterschiedlichen Kirchenbaustilen und ihren theologischen Konzeptionen in vergangener wie in heutiger Zeit. Daraus entstand sehr schnell der Wunsch nach einer „Kirchentour“ in Schöneberg und Tempelhof.

Manchmal ist es schwierig herauszufinden, was ein Kirchenbesucher mitteilen möchte und wie darauf einzugehen ist. Daher war der Abstecher zur Kommunikationstheorie (Schultz von Thun) hilfreich und anregend. Aus der Vielzahl weiterer Themen soll noch die kreative Ideenbörse erwähnt werden, dem sehr lebendigen Austausch über Verbesserungsmöglichkeiten der Arbeit in der Offenen Kirche.

Am 2. Weiterbildungstag, dem sehr heißen 4. Juli, glücklicherweise im kühlen Kirchenraum von Zwölf-Apostel, wurde sehr umfassend die Frage nach dem Verständnis der Rolle von MA der „Offenen Kirche“ diskutiert, einige Kommentare:

  • bin gerne die Kirchenöffnerin
  • stelle mir die Frage, wie bekomme ich die Weggebliebenen in die Kirche?
  • stehe für "Willkommenskultur", verstehe mich als Einladende z. B. für Neuzugezogene
  • Offene Kirche ist für mich neben Gottesdienst und Kirchenmusik ein weiterer Aspekt der Verkündigung

Manchmal gibt es ungewöhnliche Begegnungen mit Kirchenbesuchern, dazu hatte Frau Lehmann bestimmte Rollen (Typen von Besuchern) vorbereitet, die von einzelnen TN übernommen wurden und von uns Zwölf-Apostel Gastgebern „kompetent“ empfangen werden sollten. Neben dem großen Spaß an dieser Übung, gab es in der Reflexionsphase wichtige Hinweise zur professionelleren Gestaltung dieser „besonderen“ Begegnungen.

Nach dem Mittagessen und einem Besichtigungsgang um die Kirche herum, stand Bibelarbeit auf dem Plan. Für die „Nacharbeit“ daheim bekamen wir eine Liste elementarer biblischer Texte aus Altem und Neuem Testament, deren Kenntnis MA in der Offenen Kirche hilfreich sein kann. Anschließend teilten wir uns in 2 Gruppen, um an zwei Texten zu arbeiten: 1. Der barmherzige Samariter und 2. an der EKD Denkschrift „Für uns gestorben, die Bedeutung von Leiden und Sterben Jesu Christi“. Natürlich gab es nicht genügend Zeit, um zu einem wirklichen Ende zu kommen, aber diese Arbeitsphase war dennoch sehr ertragreich.

Aus der Vielzahl der ausschließlich positiven Rückmeldungen zum Abschluss nur eine Stimme: “Ich bin  begeistert vom diesem Weiterbildungsprojekt, beide Tage waren sehr unterschiedlich interessant. Bewusst wurde mir, wie bedeutend das ist, was wir in der O. K. machen - eben nicht nur die Tür auf und Tür zu. Ich denke, dass auch der Gemeinde / den Gemeindevertretern die Bedeutung und die Möglichkeiten vermittelt werden sollten.

Wünsche und Ideen, was folgen könnte, waren bei so positiver Gestimmtheit natürlich sehr vielfältig, auf jeden Fall soll der Kontakt in dieser „netten Gruppe“ vertieft werden, um gemeindeübergreifend am begonnenen Thema weiterarbeiten zu können.

Zum Schluss noch einige Danksagungen: an Herrn Volz für die gelungene Rahmengestaltung, an die sehr kompetente Referentin Frau Lehmann, aber auch an die ganze Gruppe, die sich so engagiert auf „Neuland“ begeben hatte und schließlich an Herrn Weiß aus der Zwölf-Apostel-Gemeinde, der uns an beiden Tagen mit leckerem Mittagessen, Obst und Kuchen versorgt hatte.

Sabine Herm, Offene Zwölf-Apostel-Kirche

Fotos: Michael Volz

 

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