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Pfarrer Burkhard Bornemanns Gruß zum Wochenende

Pfarrer Burkhard Bornemanns Gruß zum Wochenende
Veröffentlicht am Sa., 16. Mai. 2020 08:00 Uhr
Neues aus der Gemeinde

Mein Lebenswort aus der Bibel:

„Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.“ Psalm 23, Vers 4b:

Dieses Bibelwort ist mir gewissermaßen Richtschnur. Hier finde ich Halt und Trost, aber auch Herausforderung und den Aufruf, mich ganz auf Gott und an Gott auszurichten. Dieser kurze Vers aus dem Psalm 23 vom „Guten Hirten“ ist das Konfirmationswort meines Sohnes. Als ich damals davon erfuhr, erlebte ich es ganz bewusst zum ersten Mal: In einer sehr schwierigen Familienkonstellation und einer immer wieder belasteten Beziehung erfuhr ich durch diese Worte ein Stück Leichtigkeit, das Vertrauen, mich nicht mit meinen schwachen Kräften abmühen zu müssen, sondern geleitet zu werden. Führung durch Gott bedeutet ja, selber nachdenkend, tastend, selbstbewusst und fragend zu bleiben, aber zu vertrauen, dass Gott da ist, Zeichen sendet, wie es möglich ist auf der rechten Straße zu bleiben, auch wenn der Weg anstrengend, fordernd und manches Mal wie im Dunkeln zu liegen scheint. Wie oft habe ich das schon erlebt. Und habe es wieder erlebt, als der Corona- Virus unser aller Leben und das weltweit veränderte, plötzlich nichts mehr so war, wie es nur wenige Tage vorher gewesen ist. Welchen Gefühlen sind wir alle in den letzten Wochen ausgesetzt gewesen: Erschrecken und Verstörung, Angst vor Krankheit, Luftnot, Ersticken und Tod, Angst um die Existenz, den Arbeitsplatz, die finanzielle Sicherheit; Ermüdung und Erschöpfung, Überforderung, Einsamkeit, das Aufbegehren gegen den Verlust einer Normalität, die so vollkommen selbstverständlich schien. Das Leben vor Corona war ja nicht problemlos und angstfrei, aber es war doch alles so anders.

Ich denke zurück an die Tage, als wir unser Gemeindeleben zum Erliegen bringen mussten, zum völligen Stillstand. Als schließlich der GKR- Vorsitzende Carsten Schmidt und ich am 15. März vor der Kirche standen und den wenigen Menschen, die sich noch auf den Weg gemacht hatten, sagen mussten, dass kein Gottesdienst stattfinden wird – unglaublich, wenige Tage, ach was Stunden vorher für mich noch vollkommen undenkbar. Mein Gefühl war ganz stark, dass ich ganz und gar die Kontrolle über mein Leben verliere, dass ich verliere, was mein Leben zutiefst ausmacht. Das war mein Tiefpunkt in dieser Krise. Und es war mein Lebenswort, das mich von diesem Tiefpunkt weiterleitete, dem Licht zu und dem, was da noch Zukunft, unsicher war, einen Weg sah ich noch gar nicht, aber ich ging ihn. Im Vertrauen, dass Gott der „Gute Hirte“ mich fürsorglich leitet. Und so ist es dann auch, wieder einmal gewesen. Gottes Führung geschieht, in dem wir uns auf den Weg machen, es wagen, nicht aufgeben. Indem ich vorsichtig Schritt für Schritt ging, meiner selbst überhaupt nicht sicher, zeigte sich die rechte Straße immer deutlicher. Lasten fielen ab und ich atmete freier. Wie oft hatten wir in den ersten Wochen des Jahres in der Gemeinde gesagt: es ist zu viel, was wir planen, der Druck ist zu hoch. Wir haben uns gefragt, was können wir lassen? Und uns fiel nichts wirklich ein. Nun mussten wir loslassen, zumachen, anhalten.

Ich weiß, wie privilegiert und geborgen ich diese Krise erleben darf. Aber das war und ist auch Verantwortung. Wie viele Gespräche mit sehr unglücklichen, verstörten, psychisch zutiefst verletzten Menschen habe ich in den letzten Wochen geführt, in der offenen Kirche oder anderen Orten, manchmal auch einfach, wenn ich mit dem Mopsduo unterwegs war. Aber immer fühlte ich mich geführt auf der rechten Straße um seines Namens willen – im Namen von Glaube, Hoffnung und Liebe. Im Namen von Trost, Zuwendung und Halt.

Haben auch Sie ein solches Lebenswort? Gibt es ein Wort aus der Bibel, das Ihnen ganz wichtig ist? Das Ihnen auch jetzt in dieser so eigentümlichen Zeit wichtig ist? Vielleicht mögen Sie es teilen? Schreiben Sie mir doch. Und wenn Sie mögen, veröffentlichen wir Ihr Lebenswort auch einmal in unserem Gemeindemagazin mit einiger kurzen Erklärung, warum Ihnen dieses Wort so wichtig ist. Ich freue mich darauf.

Ihr Pfarrer Burkhard Bornemann   

Foto: https://www.slideserve.com/jor...

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EdwardCek

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