Veröffentlicht von Bertram Boxberg am Do., 31. Mai. 2018 17:19 Uhr

Der Anfang ein Grabstein aus Granit auf dem alten Zwölf-Apostel-Kirchhof:

„Hier ruhet in Frieden der grosse Schöpfer von Askania Nova“. Darüber sein Name: Friedrich von Falz-Fein 1863–1920. Ein Ehrengrab des Berliner Senats.
Askania Nowa ? Was verbirgt sich hinter diesem rätselhaften Namen?


Erste Internetrecherchen ergaben, das Askania Nowa ein riesiges Naurreservat in der Südukraine ist. Von exotischen Tieren ist die Rede: Antilopen, Bisons, Zebras oder Strauße sollen in der unberührten Steppe frei herumlaufen. Und all dies soll von dem Mann geschaffen worden sein, der 1920 seine letzte Ruhe auf unserem Kirchhof gefunden hat.

Als es Mitte Mai die Möglichkeit gab, eine Reise in die Süd-Ukraine zu unternehmen,
gab es kein Zögern, ich wollte das Werk von Friedrich von Falz fein mit eigenen Augen sehen.


Ich wurde nicht enttäuscht: Bereits Ende des 19. Jahrhunderts hatte Falz-Fein, dessen Vorfahren um 1829 als Deutsche Einwanderer in das damalige Russische Reich gekommen waren, dieses Naturreservat gegründet – weitsichtig - seiner Zeit ein Jahrhundert voraus. Die Familie Falz-Fein hatte über Generationen sehr erfolgreich. Schafzucht betrieben, waren zu großem Reichtum und unermesslichem Landbesitz gekommen. Der naturbegeisterte Friedrich, legte in der Steppe einen Botanischen Garten an, gründete einen Zoo und gab 33 Tausend Hektar der Natur zurück. Diese riesige Fläche nämlich nahm er aus der Bewirtschaftung, das Land renaturierte sich und ist heute eines der größten Steppenlandschaften Europas. Ein UNESCO Biosphärenreservat.


Lange bevor der Begriff „Biodiversität“ erfunden wurde erschuf Falz Fein genau das: Eine riesige Naturwiese, die bis zum Horizont reicht, Steppenlandschaft so weit das Auge reicht – großartig.

Aber wie kommt der Schöpfer dieses einzigartigen Wildparks auf den Alten Zwölf -Apostel-Kirchhöfe? In den Wirren der Russischen Revolution wurde die Familie Falz-Fein verfolgt, musste 1919 fliehen und gelangt so nach Berlin. Das aber, was Friedrich von Falz fein geschaffen hat, hat bis heute Bestand. Es gibt Filmaufnahmen eines Besuches des Zaren in Askania Nowa aus dem Jahre 1914. Wenn man sich überlegt, was seither alles geschehen ist – Revolution, Erster Weltkrieg, ein sozialistisches Regime, der Zweite Weltkrieg mit all dem was die Deutschen in der Ukraine angerichtet haben, der Zusammenbruch des Sowjetreiches, die Unabhängigkeit der Ukraine, das war vielleicht die eindrucksvollste Erkenntnis dieser Reise, dass das Naturparadies all diese Wirren der Weltgeschichte überdauert hat und immer noch so existiert, wie es Friedrich von Falz Fein sich ausgedacht hat. Es scheint, als habe die Natur über all die Mensch - gemachten Katastrophen gesiegt.


Wer den Reisebericht live erleben will, sei am Sonntag, den 10. Juni 2018 um 18 Uhr
herzlich in die Kapelle des Alten Zwölf Apostel Kirchhof (Kolonnenstraße 24–25) eingeladen zu unserer Veranstaltung „Askania Nowa“. (Eintritt frei)


Kategorien Kirchhöfe