AUF EIN WORT
Epiphanias – Erscheinung der Herrlichkeit Gottes Wer
das Neue Testament liest, wird feststellen, dass es zwei Berichte über
die Geburt Jesu, also unser Weihnachtsfest, gibt.
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Fenster
der Zwölf-Apostel-Kirche (Entwurf: Alfred Kothe) |
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Einmal den Bericht bei Lukas (mit Verkündigung durch den Engel,
Volkszählung und daher Wanderung nach Bethlehem, Geburt im Stall,
Engel und Hirten auf dem Feld, die sicher bekanntere Weihnachtsgeschichte).
Im Matthäus-Evangelium ist davon nur die Geburt in Bethlehem überliefert.
Josef spielt hier eine sehr viel bedeutendere Rolle als bei Lukas,
und statt der Hirten kommen als erste die Sterndeuter (die "Heiligen
Drei Könige") aus dem Morgenland, um das neugeborene Jesuskind
zu besuchen.
Weniger bekannt dürfte sein, dass den beiden Evangeliumsberichten
entsprechend auch zwei Termine für das Weihnachtsfest existieren.
Dabei ist der ursprüngliche Termin für das festliche Gedenken
der Erscheinung Gottes in Jesus Christus der 6. Januar, an dem seit
Anfang des 4. Jahrhunderts die "Epiphanie" gefeiert wurde,
und zwar zuerst in Ägypten, noch vor dem ersten Weihnachtsfest
der Römer am 25. Dezember. Dennoch hat sich im Lauf der Jahrhunderte
der römische Termin durchgesetzt, im Osten freilich bei lebendiger
Erinnerung an den 6. Januar. Die tiefere Ursache für beide Daten
ist aber das gleiche Ereignis, die Wintersonnenwende. Schon in vorchristlicher
Zeit wurde dies als Fest des Heils von den verschiedenen Kulten der
"Heiden" gefeiert.
Die Christen haben diese Erwartungen mit ihrem Sinn gefüllt: in
Christus sahen sie die Sonne des Heils für die Menschen.
Frieden Gottes auf Erden
Beide Evangelien bemühen sich, die Verbindung dieses Erscheinens
mit den Prophezeiungen der Heiligen Schrift zu unterstreichen. Die
Verkündigung des Friedens Gottes ist dabei der zentrale Begriff,
der mit der Erscheinung Gottes in dieser Welt verbunden ist, ein Friede,
der allen Menschen, allen Völkern angeboten ist. Die Sterndeuter
aus dem "Morgenland" vertreten im Matthäus-Evangelium
die Völker der Ferne, die nach der Prophetie des Jesaja (60, 1–6)
friedlich zusammenkommen, weil sie endlich ihre gemeinsame Mitte gefunden
haben. Die Engel verkünden bei Lukas den Hirten auf dem Feld "Friede
auf Erden bei den Menschen Seines Wohlgefallens".
Diese uralte Friedensbotschaft ist durch die Jahrtausende aktuell geblieben.
Aber auch die Schwierigkeit, die Menschen seit jeher damit haben, Frieden
herzustellen. Ein Zustand des Friedens würde ja bedeuten, dass
jeder Einzelne er selbst sein dürfte, sich frei entwickeln könnte,
dass die Menschen in Übereinstimmung miteinander leben würden
und einander achteten und ähnlicher, unwahrscheinlich klingender
Worte mehr. Wir müssen erkennen, dass wir Menschen nicht so sind,
dass in der Welt Frieden sein kann in der eben angedeuteten Weise.
Erwartung der Wiederkunft Christi
In diese Wirklichkeit hinein verkündet die Weihnachtsbotschaft
den Gottesfrieden. In Jesus von Nazareth hat Gott sich in diese Welt
und ihre Geschichte hineinbegeben, entfaltet sich seine "Epiphanie"
in den Worten und Taten Jesu bis in seinen Tod. Mit Ostern, der Auferstehung
des Gekreuzigten, hat Gott sein Werk vollendet, aber auf ein Zukünftiges
hin: Wir leben in Erwartung dessen, der kommen wird "zu richten
die Lebenden und die Toten". Der, den Gott herausgeholt hat aus
Erniedrigung und Tod, der steht nun bereit »zu kommen in Herrlichkeit«.
Dieser "Advent", diese Erwartung ist die Perspektive und
die Zukunft, deren Anfang wir mit dem Weihnachtsfest feiern. Wir brauchen
diese Perspektive, um in dieser Welt auszukommen, um sie zu begreifen
und zu ertragen, um nicht zu verzweifeln oder unmenschlich zu werden.
Christen als Licht der Welt
Wir brauchen diese Perspektive auch, um seine verborgene Gegenwart
in dieser Welt zu begreifen. Denn es gibt eine Brücke zwischen
dem Aufleuchten Gottes in Jesus und dem in unserem Leben, die wir
uns ihm nachfolgend Christen nennen. Nicht nur er ist das Licht der
Welt, sondern er sagt ausdrücklich zu denen, die ihm nachfolgen:
"Ihr seid das Licht der Welt" (Matthäus 5,14). Darum
könnte
man das Leben eines Christen als den Versuch bezeichnen, immer "transparenter"
zu werden. Jede konkrete Herausforderung meines Lebens ist eine Einladung,
als Geschöpf Gottes transparenter zu werden. Jedem Menschen
ist die Möglichkeit gegeben, dass etwas von dem Gottesfrieden
durch ihn in die Welt eingehen und an dieser Stelle Frieden werden
kann.
Wir erleben den Unfrieden in der Welt sehr aktuell und wir kennen uns
selbst mit unserem Potential an Unfrieden. Da kann der Gottesfriede nur "weltfremd" erscheinen.
Aber er ist da, immer wieder aufleuchtend in Menschen, oftmals da, wo
man es nicht vermutet, oftmals übersehen oder nicht wahrgenommen.
Darum brauchen wir das Weihnachtsfest mit seiner Ermutigung, dass uns
dieses Licht leuchtet durch unser Leben, so sicher wie die Tage wieder
heller und lichter werden.
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