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MONATSSPRUCH

Juni
Gott spricht: Suchet mich, so werdet ihr leben.
(Am 5,4)

Juli<
So bekehre dich nun zu deinem Gott, halte fest an Barmherzigkeit
und Recht und hoffe stets auf deinen Gott!
(Hos 12,7)

August<
Jesus Christus spricht: Ihr urteilt, wie Menschen urteilen,
ich urteile über keinen.
(Joh 8,15)

JAHRESLOSUNG
2010
Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich
(Johannes 14,1)


 
AUF EIN WORT
Seitenfenster der Zwölf-Apostel-Kirche – Foto: Schult de Morais/diálogo
© Schult de Morais
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Von seiner Fülle haben wir alle genommen, Gnade um Gnade.
Johannes 1,16

Von unserer Fülle, von der Fülle unserer Dinge und Aktivitäten könnte ich jetzt schnell ein paar Seiten voll schreiben. Wir gehen miteinander auf Weihnachten zu – da stehen für die meisten Menschen jede Menge Besorgungen, Briefe und Pakete, Geschenke, Besuche … auf dem Programm. Fast alle haben damit zu tun, dass wir einander zum Fest "eine Freude machen wollen". So etwas macht meistens auch selber Freude. Ein wirkliches Geschenk ist doch immer auch ein Stück persönlicher Anrede, Zuwendung. Bloß keine Pflichtübungen! Aber mancher unter uns macht in seinem vorweihnachtlichen Eifer, seiner gutgemeinten Betriebsamkeit auch die Erfahrung, wie schnell Hektik um sich greift und den tieferen Sinn von Weihnachten verstellt und beschädigt. Ich wünsche Ihnen und mir für die Adventswochen immer wieder auch Ruhepunkte, Stunden des Zusichkommens und Beieinanderseins jenseits der Termine. Werden wir diejenigen im Blick behalten können, die sich auf das Fest gar nicht freuen können, sondern dagegen angehen? Weil sie an diesen Tagen besonders einsam sind – oder doch allein mit schwermütigen Erinnerungen, mit Krankheit und Misserfolg, mit Trauer oder Trennung?

Der kurze Satz aus dem Johannesevangelium redet von einer ganz anderen Fülle. Von der Fülle und dem Reichtum Jesu Christi. Aufgezwungen wird uns gar nichts von seinen Gaben, er lässt es ja auch geschehen, dass wir sie in der Fülle unserer Dinge geradezu vergessen, ersticken oder behindern. Können wir Heutigen die überschwängliche Erfahrung jener frühen Christen so einfach nachsprechen? Von seiner Fülle haben wir alle genommen, man könnte moderner formulieren: Eine Gnade nach der anderen. Vielleicht würden Sie, liebe Leserin oder lieber Leser, das sparsamer formulieren, was Sie in Ihrem Dasein bisher von Christus und seiner Fülle "genommen" und gehabt, gelernt und geschenkt bekommen haben: Kraft und Zuversicht, Einsichten und Bewahrungen, Freude oder Geduld. Mir selbst geht es immer wieder so, dass mir ein so starkes Bekenntnis aus der Urchristenheit eher zur Bitte wird. Eins unserer schönsten Morgenlieder spricht diese Bitte so aus: "Laß’ Herz an Gnad kein Mangel han." Gnade im Blick auf unser letztes Ende, ganz gewiss, Gnade aber für unser gemeinsames Menschsein hier diesseits des Todes.

 

Seitenfenster der Zwölf-Apostel-Kirche – Foto: Schult de Morais/diálogo  
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Unser Wort Gnade fasst längst nicht alles, was in der Bibel dafür steht. Güte und herzliches Wohlwollen schwingen mit, die ja schon im Mitmenschlichen immer etwas Geschenkhaftes, Freies an sich haben. "Ein Verhalten, das Freude macht", hat der große Theologe Rudolf Bultmann den Sinn des Wortes akzentuiert. Wo wir aus der Fülle Jesu Christi wahrnehmen, annehmen, in unseren Kräftehaushalt aufnehmen, dass Gott uns gut und gnädig bleibt – was auch kommt –, da verlieren Ängste, Schärfen und Hoffnungslosigkeiten doch viel von ihrer lähmenden, tötenden Macht. Da können wir viel wacher wieder aus der Quelle des Lebens leben. Da sehen wir den Menschen neben oder gegen uns eher auch in Gottes Licht. Den anderen Menschen – und auch uns selbst. Wir können doch nur weitergeben, ausstrahlen – und leben im Umgang mit dem schwierigen oder angenehmen Nächsten –, was wir selber empfangen. Man muss darum bitten: Laß’ Herz an Gnad kein Mangel han. Das ist ein unabsehbares Lernfeld. Es müsste nicht so viele ungnädige, gnadenlose Denkweisen und Reaktionen unter uns – immer irgendwo fragwürdigen – Menschen geben, wenn wir nur stärker mit und aus den Gnaden Jesu Christi lebten! Weil Gott uns gut ist, so wie wir sind, weil Gott dir und mir gut ist, so wie du bist und so wie ich bin – darum können wir doch auch miteinander gnädiger umgehen, als wir das oftmals tun!

Darum können wir (recht verstanden) auch uns selber gnädiger sein, als wir oftmals sind, und uns selber wirklich annehmen. Das letztere ist mitunter viel schwieriger, viel kostbarer als das erstere. "Wir werten den anderen ab, wenn wir uns selber minderwertig fühlen", las ich kürzlich in einem hilfreichen Buch – und verstand auf einmal etwas mehr von all den zwanghaft ungnädigen Reaktionen in unserer Leistungsgesellschaft. Dort gelten Gnade und Güte ja eher als Luxus, den sich nur harmlose Gemüter leisten.

Foto: Schult de Morais
 

In einem der weihnachtlichen Bibeltexte heißt es von Christus, in ihm sei die Menschenfreundlichkeit Gottes erschienen (Titus 3,4). Noch ein anderes Wort für die gleiche unausschöpfliche Kraft. Dass wir in diesen Wochen und zum Fest davon etwas neu begreifen, ergreifen, uns von ihr ergreifen und aufschließen lassen, das wünsche ich uns allen. Gesegnete Weihnachten!
Heinz-Hermann Wittrowsky

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