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Benno Stabernack
Wie zur Erinnerung an das Grün des Vorgartens in der Kaiserzeit ist die Fassade Bülowstraße 102 bis unters Dach mit Efeu bedeckt. Fünfzehn Jahre nach Errichtung des Vorderhauses erwirbt der Mechaniker Benno Stabernack 1887 das Gebäude, baut an, installiert eine der ersten Warmwasser-Zentralheizungen und leistet weitere Pionierarbeiten. In seinem Betrieb entstehen Telegrafen, Telefone und andere in dieser "Gründerzeit" hochmoderne Fernmeldegeräte.
Der 1932 geborene Enkel Karl Ernst Benno Stabernack erbt später nicht nur den Vornamen und mit anderen Familienmitgliedern das Anwesen. Auch Erfindergeist und technische Begabung gehen auf den Jungen über. Hier wächst er auf, und in der elterlichen Wohnung lebt er noch heute als 72-Jähriger zusammen mit seiner Ehefrau Christel. Er ist einer der wenigen "Alteingesessenen" in Schöneberg-Nord und seit einem Lebensalter Mitglied unserer Gemeinde.
Als er 1938 in der 12. Gemeindeschule (Hohenstaufenstraße) eingeschult wird, haben die Nazionalsozialisten Europa schon an den Rand des Krieges getrieben. Die Zwangsgemeinschaft im "Jungvolk" empfindet der Pimpf als "ekelhaft". Und die Eltern schützen immer wieder neue Gründe vor, ihn nicht zum Kindergottesdienst bei Pfarrer Schiweck, "Deutscher Christ" an Zwölf Apostel, gehen zu lassen. Denn getauft und 1946 konfirmiert wurde Benno von dessen Widerstreiter Adolf Kurtz. Die Stabernacks verbringen mit der Familie des engagierten Pfarrers der Bekennenden Kirche bange "Endkampf"-Tage und Nächte
im Bunker vor der Zwölf-Apostel-Kirche.
Aus dem guten Volksschüler ist zwischenzeitlich ein Gymnasiast mit mäßigen Zensuren geworden. 1948 bricht er die Schulausbildung ab, nicht zuletzt, um die Familie nach dem Tod des Vaters über Wasser halten zu können: Zunächst arbeitet er als Elektroinstallateur und Elektriker, später als Prüfmechaniker im Telegrafen- und Fernschreiberbau sowie in anderen Tätigkeiten. Seine Leidenschaft für den Jazz und die erfolgreiche freiberufliche Tätigkeit auf dem Gebiet der Tonaufnahme und Schallplattenherstellung Anfang der 60er Jahre führen schließlich zur Anstellung als Sende- und Toningenieur, zunächst beim US-Radiosender AFN, ab1971 bis zur Pensionierung 1992 beim RIAS Berlin.
Die 70er Jahre bringen Auseinandersetzungen mit Behörden, Bürokratie und Filz, die seine Gesundheit bleibend beeinträchtigen. (Zu viel muss hier unerwähnt bleiben – sprechen Sie Benno Stabernack einmal zu Geschehnissen in unserem Stadtteil an, Sie werden stets freundliche Auskunft eines kundigen Zeitzeugen erhalten.) Zugleich gedeiht aber ein bis heute andauerndes Familienglück mit seiner Ehefrau und den beiden Kindern Christian Benno und Christine.
1982 wird Benno Stabernack Mitglied des Gemeindekirchenrates in Zwölf Apostel. Davon, wie geschätzt er mit seinem Rat in unserer Gemeinde ist, zeugt, dass Benno Stabernack einstimmig zum Ehrenältesten gewählt wird, als er aus gesundheitlichen Gründen Anfang der 90er Jahre nicht wieder für den Gemeindekirchenrat kandidiert.
Sein großes Anliegen bleibt, die Menschen mögen in Zwölf Apostel Verlässlichkeit, Ruhe und wirkliche Hilfe finden: "Manche gehen zur Kirche und bleiben dennoch allein. Sie sollen etwas mit nach Hause nehmen können, das sie im Alltag begleitet und trägt."
Stefan M. Schult de Morais, in "Zwölf
Apostel" Nr. 10
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