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MONATSSPRUCH

Juni
Gott spricht: Suchet mich, so werdet ihr leben.
(Am 5,4)

Juli<
So bekehre dich nun zu deinem Gott, halte fest an Barmherzigkeit
und Recht und hoffe stets auf deinen Gott!
(Hos 12,7)

August<
Jesus Christus spricht: Ihr urteilt, wie Menschen urteilen,
ich urteile über keinen.
(Joh 8,15)

JAHRESLOSUNG
2010
Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich
(Johannes 14,1)


 
Dr. Gisela Fellmer (Foto: Schult de Morais/diálogo)
© Schult de Morais
Vergrößern (bitte ggf. JavaScript aktivieren)Dr. Gisela Fellmer
 
Dr. Gisela Fellmer

Wir sitzen in der guten Stube, in der die alten soliden Möbel der Eltern stehen. Das kontrastiert mit dem Raum dieses aus den 50er Jahre stammenden, modernisierten Sozialbaus, in dem Dr. Gisela Fellmer Erstbewohnerin ist. Bei Kaffee und Kuchen führt das Gespräch, angeregt durch die Möbel und Bilder, rasch zur preußischen Geschichte. Dafür interessiert sich die waschechte Brandenburgerin sehr.
Wir sprechen über die Kindheit in der Westprignitz. Gisela Fellmer wurde 1915 in Culmosen an der Elbe geboren, wuchs dann aber im Sternberger Land (Neumark) auf. Die Tochter eines Pfarrers erzählt, wie sie zunächst vom Vater unterrichtet wurde und erst mit zwölfeinhalb Jahren auf ein Oberlyzeum nach Frankfurt/Oder kam. Das bedeutete Trennung von den Eltern, denn nun lebte sie in einer betreuten Pension und kam nur noch in den Ferien nach Hause.

Nach dem Abitur, einer Ausbildung und dem damals unvermeidlichen Arbeitsdienst begann das Studium zunächst in Berlin, später ging es nach Süddeutschland. Erst 1947 kehrte Frau Fellmer nach Berlin (West) zurück und holte ihre Eltern 1955 unter großen Schwierigkeiten aus der DDR zu sich.

Über den Vater, der vom damaligen Gemeindepfarrer Kahlfeld besucht wurde, begann der Kontakt zur Zwölf-Apostel-Gemeinde. So kam es, dass Pfarrer Kahlfeld Gisela Fellmer 1959 fragte, ob sie bereit wäre, sich als Kandidatin für den Gemeindekirchenrat aufstellen zu lassen. Sie sagte zu, wurde gleich beim ersten Mal gewählt und damit begann ihre dreißigjährige Tätigkeit im Gemeindekirchenrat unserer Gemeinde. Wir schauen die Fotos an, die sie hervorholt, und worauf die Grundsteinlegung des Gemeindezentrums 1965 zu sehen ist. Ein anderes zeigt den damaligen Gemeindekirchenrat auf dem Weg zur feierlichen Einweihung. Zu dieser Zeit ist Dr. Fellmer das einzige weibliche Mitglied des Leitungsgremiums und kommt – wie sie nebenbei bemerkt – gegen den damals noch üblichen Zigarrenrauch der Männer kaum an.

Erst 1989 scheidet Gisela Fellmer wegen langer Krankheit aus dem GKR aus. Seit ihrer Genesung nimmt sie in anderer Form am Gemeindeleben teil: Sonntags ist sie meistens im Gottesdienst anzutreffen, sie geht zur Bibelstunde, macht Besuchsdienst und trägt sogar das Gemeindemagazin in ihrer Straße aus.

Früher reiste sie viel. Besonders gerne unternahm sie Studienreisen zu architektonischen Sehenswürdigkeiten, aber ein Hüftleiden lässt das nicht mehr zu. Jetzt bewegt sie sich auf den Spuren der Denkmalkultur in der Nähe, in Potsdam und im Land Brandenburg, wo sie auch ihre Verwandten besucht. Außerdem geht sie oft in die Urania.

Durch meinen Besuch habe ich viel aus der deutschen Geschichte und der Geschichte unserer Gemeinde erfahren. Solche Gemeindeglieder gibt es nur noch wenige – und es ist doch erstaunlich, dass diese oft denken, sie hätten nichts Spannendes zu berichten.
Roswitha Dörendahl, in "Zwölf Apostel" Nr. 8

 
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