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Dr. Gisela Fellmer
Wir sitzen in der guten Stube, in der die alten soliden Möbel
der Eltern stehen. Das kontrastiert mit dem Raum dieses aus den
50er Jahre stammenden, modernisierten Sozialbaus, in dem Dr.
Gisela Fellmer Erstbewohnerin ist. Bei Kaffee und Kuchen führt das
Gespräch, angeregt durch die Möbel und Bilder, rasch
zur preußischen Geschichte. Dafür interessiert sich
die waschechte Brandenburgerin sehr.
Wir sprechen über die Kindheit in der Westprignitz. Gisela
Fellmer wurde 1915 in Culmosen an der Elbe geboren, wuchs dann
aber im Sternberger Land (Neumark) auf. Die Tochter eines Pfarrers
erzählt, wie sie zunächst vom Vater unterrichtet wurde
und erst mit zwölfeinhalb Jahren auf ein Oberlyzeum nach Frankfurt/Oder
kam. Das bedeutete Trennung von den Eltern, denn nun lebte sie
in einer betreuten Pension und kam nur noch in den Ferien nach
Hause.
Nach dem Abitur, einer Ausbildung und dem damals unvermeidlichen
Arbeitsdienst begann das Studium zunächst in Berlin, später
ging es nach Süddeutschland. Erst 1947 kehrte Frau Fellmer
nach Berlin (West) zurück und holte ihre Eltern 1955 unter
großen Schwierigkeiten aus der DDR zu sich.
Über den Vater, der vom damaligen Gemeindepfarrer Kahlfeld
besucht wurde, begann der Kontakt zur Zwölf-Apostel-Gemeinde.
So kam es, dass Pfarrer Kahlfeld Gisela Fellmer 1959 fragte,
ob sie bereit wäre, sich als Kandidatin für den Gemeindekirchenrat
aufstellen zu lassen. Sie sagte zu, wurde gleich beim ersten Mal
gewählt und damit begann ihre dreißigjährige Tätigkeit
im Gemeindekirchenrat unserer Gemeinde. Wir schauen die Fotos an,
die sie hervorholt, und worauf die Grundsteinlegung des Gemeindezentrums
1965 zu sehen ist. Ein anderes zeigt den damaligen Gemeindekirchenrat
auf dem Weg zur feierlichen Einweihung. Zu dieser Zeit ist Dr.
Fellmer das einzige weibliche Mitglied des Leitungsgremiums und
kommt – wie sie nebenbei bemerkt – gegen den damals
noch üblichen Zigarrenrauch der Männer kaum an.
Erst 1989 scheidet Gisela Fellmer wegen langer Krankheit aus
dem GKR aus. Seit ihrer Genesung nimmt sie in anderer Form am Gemeindeleben
teil: Sonntags ist sie meistens im Gottesdienst anzutreffen, sie
geht zur Bibelstunde, macht Besuchsdienst und trägt sogar
das Gemeindemagazin in ihrer Straße aus.
Früher reiste
sie viel. Besonders gerne unternahm sie Studienreisen zu architektonischen
Sehenswürdigkeiten, aber ein Hüftleiden
lässt das nicht mehr zu. Jetzt bewegt sie sich auf den Spuren
der Denkmalkultur in der Nähe, in Potsdam und im Land Brandenburg,
wo sie auch ihre Verwandten besucht. Außerdem geht sie oft
in die Urania.
Durch meinen Besuch habe ich viel aus der deutschen
Geschichte und der Geschichte unserer Gemeinde erfahren. Solche
Gemeindeglieder
gibt es nur noch wenige – und es ist doch erstaunlich, dass
diese oft denken, sie hätten nichts Spannendes zu berichten.
Roswitha Dörendahl, in "Zwölf
Apostel" Nr. 8
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