Internet-Informationsangebot der Ev. Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, Berlin
Druckfassung am 09.09.2010, 01.00 Uhr, von:
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Foto: Schult de Morais/diálogo
© Schult de Morais
 
Sterbehilfe-Diskussion und Palliativmedizin

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen im Ambulanten Hospiz Schöneberg begleiten Menschen, die häufig aufgrund einer Krebserkrankung eine nur noch kurze Lebensperspektive haben. In zahlreichen Gesprächen äußern die Schwerkranken ihre Befürchtungen angesichts des Sterbeprozesses. Was die Patienten bewegt, ist in vielen Fällen die Angst vor dem Ersticken oder vor qualvollem Leiden durch nicht einzudämmende Schmerzen. Wir nehmen diese Ängste ernst und versuchen, verständnisvolle Gesprächspartner zu sein: Zuhörende, die ihre Ohren auch dann nicht verschließen, wenn der Wunsch auftaucht, dem Leben ein Ende zu setzen, um einer bald als nicht mehr tolerierbar erscheinenden Situation zu entgehen.

Es ist erstaunlich, wie schnell der Wunsch nach dem vorzeitigen Tod in den Hintergrund tritt, wenn diese Menschen palliativmedizinisch versorgt und beraten werden. Palliativmedizin bemüht sich um eine umfassende Versorgung von Menschen, wenn Heilung nicht mehr möglich ist. Ihr Ziel ist es, die beim Fortschreiten der Erkrankung auftretenden Symptome, beispielsweise Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Luftnot und Verstopfung, zu beseitigen oder doch auf ein erträgliches Maß abzumildern und auch den psychischen und seelischen Nöten der Schwerstkranken Rechnung zu tragen. In Berlin geschieht dies ambulant mit Hilfe des Home-Care-Projekts und stationär auf vier Palliativstationen. Unsere Erfahrung zeigt, dass Sterbende, die gut versorgt und informiert sind und sich ernst genommen fühlen, neues Vertrauen finden und den Wunsch nach Sterbehilfe fallen lassen.

Dennoch wählen einige den Weg, sich das Leben zu nehmen. Vielleicht weil die Ängste oder die Einsamkeit doch zu groß sind, vielleicht weil es an Ansprechpartnern fehlt, die Verständnis zeigen, oder weil der Verlust der eigenen Selbständigkeit zu schmerzhaft ist. Viele Faktoren und seelische Abgründe können zu solch einem Schritt führen. Auch mit dieser Entscheidung müssen wir respektvoll umgehen, wenn wir die Würde Sterbender ernst nehmen wollen.

 

Foto: privat
Stefan Schütz, Autor dieses Beitrags, koordiniert die Arbeit im seit 1999 tätigen Ambulanten Hospiz Schöneberg. Träger ist das Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V. Ergänzend befindet sich derzeit eine stationäre Einrichtung in der Steglitzer Kantstraße im Aufbau. Für bis zu 16 Gäste entstehen Einzelzimmer mit Bädern, ein Begegnungsbereich mit Küche sowie Seminar- und Arbeitsräume. Mehr Informationen finden Sie unter www.nachbarschaftsheim-schoeneberg.de/hospiz im Internet.
 

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