Sterbehilfe-Diskussion und Palliativmedizin
Die
ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen im Ambulanten Hospiz Schöneberg
begleiten Menschen, die häufig aufgrund einer Krebserkrankung eine
nur noch kurze Lebensperspektive haben. In zahlreichen Gesprächen äußern
die Schwerkranken ihre Befürchtungen angesichts des Sterbeprozesses.
Was die Patienten bewegt, ist in vielen Fällen die Angst vor dem
Ersticken oder vor qualvollem Leiden durch nicht einzudämmende Schmerzen.
Wir nehmen diese Ängste ernst und versuchen, verständnisvolle
Gesprächspartner zu sein: Zuhörende, die ihre Ohren auch dann
nicht verschließen, wenn der Wunsch auftaucht, dem Leben ein Ende
zu setzen, um einer bald als nicht mehr tolerierbar erscheinenden Situation
zu entgehen.
Es ist erstaunlich, wie schnell der Wunsch nach dem vorzeitigen
Tod in den Hintergrund tritt, wenn diese Menschen palliativmedizinisch
versorgt
und beraten werden. Palliativmedizin bemüht sich um eine umfassende
Versorgung von Menschen, wenn Heilung nicht mehr möglich ist. Ihr
Ziel ist es, die beim Fortschreiten der Erkrankung auftretenden Symptome,
beispielsweise Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Luftnot und Verstopfung,
zu beseitigen oder doch auf ein erträgliches Maß abzumildern
und auch den psychischen und seelischen Nöten der Schwerstkranken
Rechnung zu tragen. In Berlin geschieht dies ambulant mit Hilfe des Home-Care-Projekts
und stationär auf vier Palliativstationen. Unsere Erfahrung zeigt,
dass Sterbende, die gut versorgt und informiert sind und sich ernst
genommen fühlen, neues Vertrauen finden und den Wunsch nach Sterbehilfe
fallen lassen.
Dennoch wählen einige den Weg, sich das Leben zu nehmen.
Vielleicht weil die Ängste oder die Einsamkeit doch zu groß sind,
vielleicht weil es an Ansprechpartnern fehlt, die Verständnis zeigen,
oder weil der Verlust der eigenen Selbständigkeit zu schmerzhaft
ist. Viele Faktoren und seelische Abgründe können zu solch
einem Schritt führen. Auch mit dieser Entscheidung müssen wir
respektvoll umgehen, wenn wir die Würde Sterbender ernst nehmen
wollen.
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