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Rundgang über unsere historischen Kirchhöfe
Wilhelm Griesinger
Alter Sankt-Matthäus-Kirchhof, Feld I, Ehrengrab
Er gilt als Begründer der wissenschaftlichen Psychiatrie in Deutschland: Wilhelm Griesinger, geboren am 29. Juli 1817 in Stuttgart, Residenz des damaligen Königreichs Württemberg. Wilhelm war Sohn des Hospital-Stiftungsverwalters Gottfried Ferdinand Griesinger und der aus Karlsruhe stammenden Karoline Luise Dürr. Bereits früh sorgten die Eltern für eine gute Bildung des begabten Sohnes. Schon als Achtjähriger kam er 1825 ans Stuttgarter Gymnasium und wurde gleich in einer Klasse eingestuft, die sich mehrheitlich aus zwei bis drei Jahre älteren Schülern zusammensetzte. Neben dem Schulunterricht sorgte ein Hauslehrer für weiteren Wissensschatz, und der Schriftsteller Ludwig Uhland, den Griesinger durch einen Schulkameraden kennen lernte, für weitere literarische Kenntnis, die dann auch politische Dinge einschloss. Mit 16 ½ Jahren absolvierte Griesinger als einer der Besten das Abitur.
1834 wurde Griesinger an der medizinischen Fakultät in Stuttgart immatrikuliert. Unzufrieden mit dem Zustand der medizinischen Fakultäten, setzte er mit Freunden das Studium in Zürich fort. Der Dozent Friedrich Schill vermittelte Griesinger Vieles vom neuesten Stand der Forschung, speziell in Paris, wo man medizinisch weit voraus war. Zum Studienabschluss beschäftigte er sich mit der "Geschichte der Diphtherie" und suchte unmittelbar nach der Dissertation Paris auf, wo er eine Fülle neuer Eindrücke empfing. Griesinger wurde 1839 Assistenzarzt in der Heilanstalt Winnenthal am Neckar. Die Behandlung Geisteskranker war zur damaligen Zeit sehr rückständig – ihn reizte das Neuland; seine Abhandlung "Pathologie und Therapie der psychischen Krankheiten" schrieb er 1845. Nach Reisen, u. a. nach Paris und Wien, wurde Griesinger 1847 zunächst außerordentlicher Professor für Pathologie in Tübingen, bevor man ihn 1848 als ordentlichen Professor nach Kiel für die Fächer Pathologie und Therapie berief.
1850 heiratete er Josephine von Rom, eine Tochter des Oberamtsrichters von Nagold in Kiel. Durch den Konflikt der Herzogtümer Schleswig und Holstein irritiert, nahm Griesinger ein Angebot des Vizekönigs von Ägypten, Abbas Pascha, an und wurde Direktor der medizinischen Schule in Kairo sowie Leibarzt des Regenten. 1854 zurück in Tübingen, veröffentlichte er als ordentlicher Professor und Leiter der medizinischen Klinik, weitere Schriften und schrieb auch für Rudolf Virchows medizinische Veröffentlichungen.
Nach einer Zwischenstation in Zürich (1860) ging Griesinger 1865 nach Berlin an die Charité, wo er neben der bestehenden Abteilung für Geisteskranke eine neue für Nervenkranke aufbauen sollte, und leitete ab 1867 auch das Universitätsinstitut für Innere Medizin. Griesinger war rastlos auf Tagungen und Konferenzen aktiv, literarisch wie auch organisatorisch. Seine Gesundheit nahm Schaden und nach einer Infektionskrankheit starb er am 26. Oktober 1868.
Eine Bronzebüste in der Charité erinnert an ihn ebenso wie die Griesingerstraße in Spandau und der Griesinger-Park in Marzahn.
Dieter Grunwald, in "Zwölf Apostel" Nr.
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