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Juni
Gott spricht: Suchet mich, so werdet ihr leben.
(Am 5,4)

Juli<
So bekehre dich nun zu deinem Gott, halte fest an Barmherzigkeit
und Recht und hoffe stets auf deinen Gott!
(Hos 12,7)

August<
Jesus Christus spricht: Ihr urteilt, wie Menschen urteilen,
ich urteile über keinen.
(Joh 8,15)

JAHRESLOSUNG
2010
Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich
(Johannes 14,1)


 

Rundgang über unsere historischen Kirchhöfe

Carl Andreas Julius Bolle
Alter Sankt-Matthäus-Kirchhof, Erbbegräbnis Südwand

Carl A. J. Bolle (Foto: Landesarchiv Berlin)
© Landesarchiv Berlin
Vergrößern (bitte ggf. JavaScript aktivieren)Carl A. J. Bolle
 

Unter den Namen "Bimmel-Bolle" ist er in Berlin bekannt, Carl Andreas Julius Bolle, am 1. September 1832 in Milow an der Havel als sechstes Kind eines Holz- und Steinhändlers und seiner zweiten Ehefrau geboren. In der Dorfschule erhielt er Unterricht vom Kantor, und der Pastor unterwies ihn in Latein. Diese religiöse Basis begleitete ihn sein Leben hindurch, wenngleich der frühe Wunsch, selbst Pastor zu werden, später nicht weiter verfolgt wurde. Bolle trat in das Gymnasium in Brandenburg ein, konnte dort aber nicht reüssieren und brach vorzeitig ab. Er absolvierte in Rathenow eine Maurerlehre, bei der er auch erlernte, Bauzeichnungen und Baukalkulationen zu erstellen.

Nach bestandener Lehre zog es ihn als Geselle in das aufstrebende Berlin der Zeit nach 1848, wo er neben seiner Arbeit als Maurer sich am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium und an der Baugewerksschule weiterbildete. In Eberswalde legte er die Meisterprüfung ab und heiratete 1860 Sophie Maltner. Er gründete ein Baugeschäft und baute 1861 sein erstes Haus. Berlin wuchs in dieser Zeit schnell und dehnte sich auch nach Süden und Westen aus. Bolle erwarb Grundstücke am Landwehrkanal und in der Sigismundstraße 1, direkt neben der St.-Matthäus-Kirche, in der seit 1846 der Pfarrer Carl A. Büchsel predigte und mit seinen eher konservativen Gedanken Carl Bolles Glaubenswelt ziemlich genau traf.

Nach zehn Jahren als Bauunternehmer hatte Bolle ein beträchtliches Vermögen erwirtschaftet, auch durch sein später "Norddeutsche Eiswerke" genanntes Unternehmen. Bolle erkannte, dass Kühlungsmaterial in den Häusern immer mehr nachgefragt würde, holte erst Eis aus dem Landwehrkanal und lagerte es im Keller, ging später an den Rummelsburger See, erweiterte das Geschäft und erwarb das Wissen, Eis selbst herzustellen.

Bolle-Milchwagen im Jahr 1898 (Foto: Landesarchiv Berlin)
© Landesarchiv Berlin
Vergrößern (bitte ggf. JavaScript aktivieren)Der erste Milchwagen der Meierei Bolle fuhr in Berlin im Jahr 1881 (Aufnahme vom 12. Juni 1898)
 

1880 wurde der Milchhandel für Bolle interessant, da die Kühe, die er in seiner Baumschule an der Dahme für die "Düngerproduktion" hielt, eben auch Milch gaben. Mit der ihm eigenen Akribie untersuchte er die Vertriebsmöglichkeiten. Er erwarb Zentrifugen für seinen Betrieb, Verkaufswagen und Handglocken. Im Februar 1881 begann das Unternehmen: "Provincial-Meierei C. Bolle" und wurde, trotz vieler Widrigkeiten und Neider, ein großer geschäftlicher Erfolg. Er vergrößerte sich und erwarb das Grundstück Alt Moabit 98–103, wo Teile der einstigen Meierei, restauriert für andere Nutzungen, heute noch vorhanden sind.
Bolle stellte viele Mitarbeiter ein, die hart arbeiten mussten, aber auch wie Mitglieder einer großen Familie behandelt wurden. So gab es Krankenbesuche durch Pfarrer, Familienabende, Dampferfahrten und kostenlos Schuhe für die Bollejungen. Sogar eine Betriebssparkasse gab es und jeden Sonnabend den Fabrikboten, das Werksjournal, auf der Titelseite die Bibeltexte für die kommende Woche, die morgens und abends gelesen werden sollten. Die Meierei bezog ihre Milch aus dem Umland, täglich wurden rund 40.000 Liter Milch verkauft.

In seinen letzten Lebensjahren erlosch die Schaffenskraft; am 28. September 1910 starb der "Geheime Kommerzienrat" Carl A. Bolle im Alter von 78 Jahren.

Dieter Grunwald, in "Zwölf Apostel" Nr. 10

 
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